Eigentlich hatte ich über die Reise dieses Wochenende schon früher angefangen nachzudenken als sonst. Da es am Ende aber das bereits verworfene Ziel Göteborg wurde, hat mich auch überrascht und letztlich auch nicht mehr Planungszeit gelassen als sonst. Göteborg war meine erste Idee, aber ich hatte die Idee eigentlich schon wegen Mitsommer verworfen - das ist ein großer Feiertag in Schweden und im Grunde hat alles zu. Irgendwann kam ich dann aber auf die Idee, dass mich das für meine Pläne eigentlich gar nicht stört, ich bin ja doch überwiegend draußen unterwegs. In Anbetracht des Wetters in Deutschland gibt es für das Wochenende eh keine besseren Aufenthaltsort als Skandinavien.
Daher hab ich mich heute, nachdem ich seit gestern bereits in Frankfurt war, morgens mit dem ersten Flug auf den Weg nach Göteborg gemacht. Auf dem Weg durch die Stadt vom Flughafenbus zum genial gelegenen Hotel stolperte ich ein erstes Mal über das Mitsommerwochenende: die Saluthallen, eine Markthalle, ist das ganze Wochenende geschlossen. Aber ich konnte auf dem Weg zum Hotel schon den Dom besichtigen.
Im Hotel hieß es erst noch ein paar Stündchen arbeiten, man gehört schließlich zum werktätigen Volk. Danach ging es im Laufe des Nachmittags aber los in die Stadt, zunächst in das Stadtviertel Haga, eines der ältesten Stadtviertel Göteborgs. Man findet hier auch viele der für Göteborg typischen Häuser, die unten aus Stein und oben aus Holz bestehen, ein solches Haus heißt Landshövdingehus. Da das Viertel für seine Cafés und die Riesenzimtschnecken bekannt ist, hab ich mir da natürlich eine organisiert.
Mit der Zimtschnecke ging es hinauf zur Skansen Kronan, eine der ältesten erhaltenen Militäranlagen der Stadt mit einem schönen Blick über die Dächer von Göteborg. Mit der Aussicht ließ ich mir die Zimtschnecke dann schmecken.
Da aber Mittsommer ist, zog es mich danach in den Stadtpark Slottsskogen - der ganze Park war voll mit Menschen, es gab Livemusik und die Midsommarstång, ein mit Blättern und Blumen geschmückter Baumstamm. Außerdem gab es Tänze, bei denen zur Musik um den Baum getanzt wurde. Für einen Brauchbanausen wie mich scheinen da gewisse Ähnlichkeiten zum Maibaum zu bestehen. Neben der Riesenveranstaltung ist der Park einerseits einfach riesig und etwas langweilig mit großen Wiesen und Bäumen, andererseits gibt es aber auch das ein oder andere hübsche Eck zu entdecken.
Nachdem ich von Skansen Kronen das coole Kirchendach der Oscar Fredriks kyrka gesehen hatte, wollte ich das dann doch genauer wissen und bin einfach mal zu der Kirche hinmarschiert. Leider war die Kirche zu und das hatte nichtmal was mit Mittsommer zu tun, die Kirche ist nur wochentags vor 15 Uhr offen - das ist aus touristischer Perspektive ausgesprochen unbefriedigend. Aber auch von außen hat sie sich gelohnt.
Danach ging es zurück zum Hotel, aber nicht ins Hotel, sondern zur Fähre. Ich hab das Glück, dass die Fähre und die Straßenbahn und der Bus direkt vor dem Hotel halten. Und da die Fähren Teil des öffentlichen Nahverkehrs sind, hab ich das natürlich genutzt, hab mir den Wind um die Nase wehen lassen und bin bis zum Viertel Klippan gefahren. Klippan beherbergte aufgrund der danach zu flachen Wassertiefe den ersten Hafen Göteborgs und besteht heute überwiegend aus hübschen und beeindruckenden Backsteingebäuden.
Von da ging es wieder zurück mit der Fähre, langsam wurde es auch Zeit fürs Abendessen - zum Glück gibt es noch eine zweite Markthalle, die Feskekörka (Fischkirche). Das Gebäude mutet kirchenartig an, ist aber als Fischmarkthalle konzipiert - auch wenn heute eher der Restaurantbetrieb dominiert und daneben Fisch verkauft wird. Dort habe ich ausgesprochen leckere geräucherte Lachs-Nuggets in der Sonne auf der schwimmenden Außenterasse mit Sicht auf die Feskekörka genossen.
Zum Ausklang des Tages fuhr ich nochmal mit der Fähre bis Klippan und zurück. Dabei hatte ich das Glück, dass sich das ein oder andere durch den geänderten Sonnenstand viel besser fotografieren ließ.