Heute ging es in das gut 60km entfernte Teotihuacán, eine der größten und berühmtesten Ruinenstädten Amerikas, die im 8. Jahrhundert aus heute unbekannten Gründen verlassen wurde. Nach einer etwas holprigen Uber-Fahrt, was aber weniger dem Fahrer denn dem Straßenzustand geschuldet war, wurden wir von einer uns nur aus dem botanischen Garten bekannten Pflanzenwelt begrüßt.
Alle Namen, Teotihuacán ("Wo man zu einem Gott wird") selbst inbegriffen, sind Namen aus späterer Zeit, die zumeist von den Azteken vergeben wurden, die die Ruinenstadt im 14. Jahrhundert wiederentdeckten. Insofern handelt es sich bei allen Namen um die Interpretation der Ruinen durch die Azteken oder späterer Zeit.
Nach einem kurzen Blick die Straße der Toten entlang ging es als erstes in die Ciudadela (Zitadelle). Diese besticht einerseits durch ihre schiere Größe und andererseits durch den Templo de Quetzalcóatl (Tempel des Quetzalcoatl), der auch Pirámide de la Serpiente Emplumada (Pyramide der Gefiederten Schlange) genannt wird. Es handelt sich dabei um die drittgrößte und gleichzeitig die am kunstvollsten verzierteste Pyramide in der Stadt. In dem Tempel sind viele großartigen Steinmetzarbeiten zu sehen.
Die Calzada de los Muertos (Straße der Toten) zieht sich einmal längs durch Teotihuacán mit der Mondpyramide als krönendem Abschluss. Sie ist 40m breit und heute zwei Kilometer lang, auch wenn die Vermutung besteht, dass sie historisch sogar bis zu vier Kilometer lang war. Sie ist ein typisches Beispiel für die nicht-passenden Namen. Die Azteken gingen davon aus, dass in den ganzen kleinen Stufenpyramiden am Rand Tote begraben seien, heute weiß man, dass das nicht so war - der Name ist aber geblieben.
Die größte Pyramide in der Stadt ist die Sonnenpyramide, monumentale 63 Meter hoch, auf einer Grundfläche von 225m*225m und ist damit die drittgrößte Pyramide der Welt. Man geht davon aus, dass sie mit roter Grundfarbe und farbenprächtiger Malereien verziert war, diese sind jedoch nicht mehr erhalten. Zum Schutz der Pyramide ist sie nicht mehr besteigbar.
Am Ende der Straße der Toten trohnt die Mondpyramide. Sie ist kleiner als die Sonnenpyramide aber bautechnisch anspruchsvoller gestaltet. Sie wurde im Laufe der Jahre mehrfach überbaut, es handelt sich sozusagen um eine Matroska-Pyramide, man weiß heute von Verschachtelungen. Diese Pyramide ist bis auf das erste Plateau besteigbar - das ist mit ungleichmäßigen und hohen Stufen in der großen Höhe zwar anstrengend, aber definitiv lohnenswert und man wird mit einer tollen Sicht über Teotihuacán belohnt.
Ein besonderes Highlight ist der Palacio Quetzalpapálotl neben der Mondpyramide. Der Name ist ein Kofferwort aus den Nahuatl-Worten quetzalli (wertvolle Feder) und pāpālōtl (Schmetterling) und bezieht sich auf die mythologischen Vögeln an den Säulen im Palacio.
Direkt neben dem Palacio Quetzalpapálotl befinden sich der Patio de los Jaguares, benannt nach den Jaguar-Bildern an der Wand und der Templo de los Caracoles Emplumados (Tempel der gefiederten Schnecken), bei dem mir nicht ganz klar ist, warum er so heißt - darin findet man Wandmalereien von Papageien, Schnecken hab ich keine gefunden.
Nachdem wir stundenlang ohne Schatten die Ruinen erkundet haben, war es Zeit für ein (spätes) Mittagessen. Leider war das uns empfohlene Restaurant La Gruta, bei dem man in einer Grotte speist, übervoll - die Prognose war 90 Minuten warten. Da es in der Nähe noch ein Restaurant in einer Höhle gibt, La Cueva, sind wir dorthin. Unser erster Kontakt mit "richtigem" mexikanischen Essen war nicht so überzeugend, aber eventuell lag das auch einfach an unserer Auswahl - das Ambiente war aber definitiv cool. Die Rückfahrt gestaltete sich überraschend schwierig, da wir lange kein Uber finden konnten, aber zum Glück hatten wir schließlich eines gefunden. Zum Abendessen in Mexiko-Stadt gingen wir Tacos in El Farolito essen - das hat uns schnell wieder mit dem mexikanischen Essen versöhnt.